Erfahrene Begleiter helfen richtigen Weg zu finden
Patenprojekt an der Heinrich-Böll-Schule / Neue ehrenamtliche Mitstreiter
Aus dem kirchlichen Leben sind „Tauf- und Firmpaten“ nicht wegzudenken. Sie übernehmen – als Unterstützung für die Eltern – Mitverantwortung für die ihnen anvertrauten Kinder, um sie im Glauben zu stärken und ihnen in schwierigen Lebenssituationen zur Seite zu stehen. Oft ist es gerade für Jugendliche leichter, sich einer außenstehenden Bezugsperson anzuvertrauen, statt sich mit den Eltern über Probleme zu unterhalten. Wenn die Paten dann noch über einen reichen Erfahrungsschatz verfügen und ihren Schützlingen wichtige Tipps geben können, schrumpft manche unüberwindbar scheinende Hürde zu einer kleinen Stufe auf dem Lebensweg. Auf diesem Gedanken basiert das Patenprojekt an der Heinrich-Böll-Schule in Fürth, das seit zwei Jahren mit Erfolg arbeitet.
Ziel der Paten ist es, Schülern der HBS den Übergang von der Schule in die Ausbildung zu erleichtern und einen erfolgreichen Start ins Berufsleben zu ermöglichen. Sie stehen aber auch mit Rat und Tat Jugendlichen zur Seite, die sich nach ihrer Zeit an der HBS weiter schulisch qualifizieren möchten. Bei den von Paten betreuten Jugendlichen handelt es sich um Schüler des 8. und 9. Jahrgangs, die aus den unterschiedlichsten Gründen Probleme in der Schule haben. Leicht vorstellbar, dass diese Jugendlichen nur geringe Chancen auf eine Ausbildungs- oder Arbeitsstelle oder die Aufnahme an einer weiterführenden Schule haben.
Damit nicht erst das Kind in den Brunnen fallen muss, bis Hilfsmaßnahmen einsetzen, kümmern sich die Paten bereits frühzeitig um Schüler, die alleine nicht in der Lage sind, ihre Probleme zu bewältigen. Dass die Aufgabe der Paten nicht einfach ist, liegt auf der Hand. Sie müssen nicht nur pädagogisches Geschick beweisen und gerne mit Jugendlichen arbeiten, sondern über einen reichen Erfahrungsschatz, vielschichtiges Wissen, einen gesunden Menschenverstand und einen ansteckenden Optimismus verfügen. Und: Durchhaltevermögen und gute Nerven sollten auch vorhanden sein.
Der „Arbeitsbereich“ der Paten ist breit gefächert: Er reicht von Nachhilfe, Unterstützung bei Klassenarbeiten über Tipps bei der Erstellung von Bewerbungsunterlagen und der Vorbereitung auf Vorstellungsgespräche, der Suche nach einem Praktikums- oder Ausbildungsplatz bis hin zur Begleitung während der ersten Phase der Ausbildung. Es gibt jedoch keine „Paten-Regeln“, nach denen die Schüler betreut werden müssen; jeder Pate hat sein individuelles Konzept, das auf die Bedürfnisse des jeweiligen Jugendlichen abgestimmt ist. Ein reger Austausch zwischen Pate und Schützling bildet die Grundlage der Maßnahme.
Klar ist in jedem Fall: Paten stehen im wahrsten Sinne des Wortes hinter ihren Schützlingen, um sie vor Misserfolgen zu bewahren, sie mit behutsamen „Schupsern“ aus einer Lethargie zu holen, sie vor negativen Einflüssen von außen zu schützen und vertrauensvoll ein Stück auf ihrem Lebensweg zu begleiten.
Obwohl das Paten-Projekt an der Heinrich-Böll-Schule „noch in den Kinderschuhen steckt“, wie Eveline Vieweg, Stufenleiterin an der HBS und Koordinatorin des Projektes, betont, habe man in den vergangenen zwei Jahren schon viele Erfolge verbuchen können. „Alle betreuten Schüler haben einen Abschluss geschafft und sind in Ausbildung“, konstatiert Eveline Vieweg stolz. „Wir verlieren die Schüler auch nach dem Verlassen unserer Schule nicht aus den Augen.“
Und noch eine erfreuliche Tatsache: Die Heinrich-Böll-Schule wird auch in den nächsten Jahren vielen Jugendlichen durch das Paten-Projekt helfen können, denn zu den erfahrenen Paten Kerstin Bohl, Karl-Heinz Exner, Kurt Geist, Edgar Schwarzer und Karl Stöckl kamen die neuen Paten Sebastian Hesselmann, Selami Er (Pate vom türkisch-islamischen Kulturverein), Thomas Franz, Dr. Achim Hirschberg, Barbara Holzapfel-Hesselmann, Friedel Rau und Rainer Raum hinzu. Die Paten mit Erfahrung betreuen Jugendliche aus dem neunten und achten Jahrgang, während sich die „Neuen“ jeweils um einen Schüler aus dem Jahrgang 8 kümmern.
Begleitet und nachhaltig unterstützt wird das Projekt von Anngret Springer, Mitarbeiterin der Agentur für Arbeit, von Bettina Müller, Berufseinstiegsbegleiterin an der HBS, Ulli Baumann von der Kompetenzagentur Orbishöhe in Rimbach und Maria Jungmann von der Caritas.
Wer das Wort „Pate“ in Fürth hört, wird wohl in Zukunft nicht mehr nur automatisch an Kirche denken, sondern den Begriff in positiver Weise mit der Heinrich-Böll-Schule in Verbindung bringen und gleichzeitig den Einsatz ehrenamtlich agierender Bürger für Jugendliche aus der Region würdigen.
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